Entstehungsgeschichte eines Gebäudes

Im Jahre 1993 kam es zu den letzten größeren Überschwemmungen in Mersch. Zu diesem Zeitpunkt es noch 6 freiwillige Feuerwehren in der Gemeinde. Während diesem Einsatz, bei dem die 6 Wehren, sowie mehrere benachbarte Wehren, mehr als 40 Stunden ohne Unterbrechung zusammen arbeiteten, wurde festgestellt, dass es unpraktisch sei, wenn das Material, welches für solche Großschadenseinsätze benötigt wurde, auf mehrere Standorte verteilt sei.
Die Wehren baten daraufhin die Gemeindeverwaltung sich Gedanken über ein zentrales Gerätehaus zu machen. Die Gemeindeverwaltung gab den Wehren zu verstehen, dass es nicht effektiv sei, ein 7. Gerätehaus in der Gemeinde zu bauen. Allerdings würde sie es befürworten, wenn die Wehren enger zusammen arbeiten würden und ihre Einsätze aus dem zentralen Gerätehaus heraus fahren würden. Um den Wehren in einer ersten Phase ihre Eigenständigkeit zu belassen, wurde ihnen der Vorschlag gemacht, die einzelnen Wehren dürften ein kleines Fahrzeug in ihrer Sektion beibehalten. Auch könnten sie weiterhin ihre aktuellen Räumlichkeiten ganz oder teilweise für ihr Vereinsleben nutzen. Jedoch sollten alle größere Fahrzeugen, sowie das entsprechende Einsatzmaterial im neuen Gerätehaus untergebracht werden.
Die Gemeindeverwaltung machte sich auf die Suche nach einem geeigneten Bauplatz. Nach einer längeren Suche wurde auch ein Bauplatz gefunden und zwar auf dem Merscherberg, wo heute das Recyclingzentrum steht. Dieser Standort hatte einige Vorteile:
– Die Nähe zur Industriezone mit ihren großen Geschäften
– Nahe an einer Autobahnauf- und -abfahrt gelegen
– Am Schnittpunkt von 4 Gemeindesektionen
Daraufhin begannen die ersten konkreten Pläne für ein zentrales Gerätehaus. Eine Arbeitsgruppe wurde eingesetzt. Diese setzte sich zusammen aus Vertretern der 4 politischen Parteien, den Vertretern der 6 Wehren, sowie aus dem Kantonalinspekteur. In einer fruchtbaren Zusammenarbeit wurden die Ideen gesammelt, welche vom Architektenbüro Leer und dem Planungsbüro TR-Engineering zu Papier gebracht wurden. Die Pläne wurden von allen Mitgliedern der Arbeitsgruppe gut geheißen. Die Ausschreibungsunterlagen für dieses Projekt wurden schon vorbereitet. Dann kam es zu einem politischen Wechsel im Gemeinderat. Die neue politische Führung überprüfte das Projekt erneut. In der Zwischenzeit hatten die Verantwortlichen des Recyclingzenters, welches damals auch an der Gosseldingerstrasse lag, die Gemeindeverwaltung gebeten ihnen ein größeres Gelände zur Verfügung zu stellen. Das einzige zentral gelegene Gelände, über welches die Gemeinde zu diesem Zeitpunkt verfügte, war das für das Feuerwehrgebäude vorgesehene Gelände auf dem Merscherberg. Da das Gelände relativ groß ist, allerdings liegt es nur zum Teil im Bauperimeter, wurde versucht die beiden Projekte auf dem Gelände unterzubringen. Nach einer längeren Planungsphase wurde dann schlussendlich ein Kompromiss gefunden. Neue Pläne wurden ausgearbeitet und den Wehren vorgelegt.
Dann kam es erneut zu einem Rückschlag. Das Recyclingzenter benötigte mehr Fläche um dem Bedarf der Einwohnerschaft gerecht zu werden. Darauf hin wurde beschlossen, dass das Recyclingzenter über das gesamte Areal verfügen sollte. Dort wurde es dann auch gebaut, wo es schon seit einigen Jahren in Betrieb ist.
Erneut begann die Suche nach einem geeigneten Standort für das zentrale Gerätehaus. Schlussendlich wurde der Entschluss gefasst das neue Feuerwehrgebäude an der Gosseldingerstrasse zu errichten, auf dem Gelände des bestehenden Feuerwehrgebäudes und des Recyclingcenters. Dieser Standort hat ebenfalls mehre deutliche Vorteile:
– Nahe am Ortskern von Mersch.
– Die meisten Wohngebäude, Geschäfte und Industriegebäude der Gemeinde liegen in einem Umkreis von ungefähr 2 Kilometern um das neue Zentrum
– Ein halber Autobahnanschluss einige hundert Meter entfernt, zwei komplette Anschlüsse weniger als 2 Kilometer entfernt
Erneut begannen die Planungen. Den Wehren wurden zwei Vorschläge unterbreitet.
Variante 1: Das alte Feuerwehrhaus bleibt bestehen und eine große Fahrzeughalle sowie ein administrativer Teil mitsamt den Sozialräumen werden angebaut. Der alte Gebäudeteil sollte dann später eventuell für die Jugendarbeit, sowie für ein Feuerwehrmuseum genutzt werden.
Variante 2: Alles wird abgerissen und ein modernes funktionelles Gebäude kann entstehen.
Die Wehr Mersch hatte in den vergangenen Jahren viel Geld und Zeit in ihr altes Gerätehaus investiert. 1989 waren ein Küchentrakt, sowie Sanitärräume hinzugekommen. Das Gebäude wurde mit Kacheln und Friesen wohnlicher gemacht. Ende der neunziger Jahre wurde der Dachboden zu einem Instruktionssaal ausgebaut. 2006 wurde eine Garage umgebaut, um Platz zu schaffen für das neue Tanklöschfahrzeug.
Da die Wehr Mersch von dem nun vorliegenden Projekt überzeugt war, gab sie ihr Einverständnis um das alte Gebäude abzureißen. Auch die anderen Wehren waren mit der zweiten Variante einverstanden. Erneut wurden die Pläne für das zentrale Gerätehaus gemacht. Diese wurden dann schlussendlich ausgeführt. Die Gemeindeverwaltung baute zuerst auf der gegenüberliegenden Straßenseite ein Gebäude, um darin einen Teil ihrer technischen Dienste unterzubringen. In diesem Gebäude wurde dann die Feuerwehr Mersch provisorisch untergebracht und das alte Gebäude konnte abgerissen werden.
Das neue Centre d’intervention konnte endlich gebaut werden. Wie bereits in der Planungsphase bestand auch in der Bauphase ein enger Kontakt zwischen der Gemeindeverwaltung, den Planungsbüros und der Feuerwehr. Durch diese Zusammenarbeit konnte ein architektonisch elegantes und trotzdem funktionelles Gebäude entstehen, welches den Ansprüchen eines modernen Lösch- und Rettungswesens auch in der Zukunft gerecht werden kann.
Das neue Gebäude wurde im Juni 2012 eingeweiht.

Architekturskizze von Alain LEER
Architekturskizze von Alain LEER
Architekturskizze von Alain LEER
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